(Polska wersja)
Die Anfänge des Polnischen Schulvereins "Oœwiata" reichen,
nach Meinung einiger Forscher der polnischen Bildungsorganisationen,
bis zum Ende des XIX Jahrhunderts. Im Jahre 1881 entstand
aus der Initiative von Dr. Antoni Chlapowski der Schulverein der Polen
unter dem Patronat des heiligen Stanislaus. Nach einigen
organisatorischen
Umwälzungen wurde dieser Verein in den bis heute existierenden
Polnischen Schulverein "Oœwiata" umgewandelt.
Somit ist die berliner "Oœwiata"
eine der ältesten polnischen Organisationen in Deutschland.
Wir wissen nichts über ernste Versuche der Reaktivierung von
"Oœwiata"
nach der kriegsbedingten Zwangspause in den Jahren
1939-1945.
Erst in der Mitte der achziger Jahre, bedingt durch eine riesige
Emigrationswelle aus Polen, entstand die Notwendigkeit,
Polnisch zu unterrichten in einem Rahmen, der den Vorkriegszeiten
glich.
Der berliner Verband der Polen in Deutschland und der 1985
in diese Organisation aufgenommene Asylant aus Polen - Wojciech
Soczowka setzte sich für dieses Anliegen ein.
Der schwierige Kampf um die Reaktivierung von "Oœwiata" wurde
aufgenommen,
das Engagement von des damaligen Vorsitzenden des Verbandes der Polen
in Deutschland - Zygmunt Wesolkowski, der Brüder Stefan und Zbigniew
Baczewski,
Halina Rometzki sowie Edward Dudkiewicz ist dabei besonders zu
würdigen.
Der damalige Chef der Konsularabteilung der Polnischen Militärmission
in Berlin - mgr. Jerzy Zbitowski unterstützte die Bemühungen
um die Reaktivierung des Vereins.
Im Februar 1987 plazierte Wojciech Soczowska in zwei deutschen
Zeitungen folgendes Inserat:
"Ein polnisches Gymnasium sucht qualifizierte Kräfte".
Dieses Inserat - obwohl irreführend und heftig kritisiert - brachte
das erhoffte Ergebnis: Es meldeten sich fast 30 künftige Pädagogen.
Am 21. April 1988 kommt es zu einem Treffen des damaligen
Volksbildungsrates in Tempelhof - Klaus Wowereit
(der heutige Regierende Bürgermeister der Stadt Berlin),
des Leiters der Bildungsabteilung in Tempelhof - Rybacki mit
dem Leiter der Konsularabteilung der Polnischen Militärmission
in Berlin - mgr. Jerzy Zbitowski
und den Vertretern des berliner Verbandes der Polen in Deutschland:
dem damaligen Vorsitzenden des Vereins - Zygmunt Wesolkowski und
Wojciech Soczowka. Die polnische Delegation beantragte die
kostenlose Benutzung von Klassenräumen in einer tempelhofer
Schule. In dem Schreiben vom 16. August 1988 an die berliner
Abteilung des Verbandes der Polen in Deutschland bewilligte Klaus
Wowereit die kostenlose Nutzung von Klassenräumen in der
Paul-Simmel-Grundschule in Tempelhof, Felixstr. 26.
Das Schulgebäude befindet sich direkt gegenüber der polnischen
Kirche, der Unterricht sollte dienstags und freitags, zwischen
15.30 und 17.00 stattfinden.
Einige Tage danach trifft sich in Kreuzberg zum ersten Mal der
künftige Pädagogische Ausschuß des Vereins, um den nahen
Schulanfang zu besprechen.
Bei dem Treffen anwesend waren außer den obengenannten Mitglieder
des Verbandes der Polen in Berlin noch Barbara Krajewska, Joanna
Malek, Aniela Krzyzaniak-¯abko und Wieslaw ¯abko.
Während des Treffens wurden die nötigen Schritte unternommen,
um für die geplante polnische Schule zu werben: man besprach
die Verteilung von Informationsflugblättern, eine Information
in der Polnischen Militärmission in Berlin sowie in dem Übergangslager
für Aussiedler in Berlin-Marienfelde, Benachrichtigung polnischer
Organisationen
in Berlin sowie mündliche Information während Messen in der Polnischen
Katholischen Kirche. Der Bund der Polen in Berlin setzte den
Schulanfang für den 6. September, um 15.30 Uhr, auf. Dieser Termin
wurde wegen der niedrigen Besucherzahl verschoben, das erste,
organisatorische Treffen mit den Eltern und Schülern wurde durch die
Lehrerinnen: Barbara Krajewska, Joanna Malek und Aniela
Krzyzaniak-¯abko durchgeführt.
Am 17. September 88 fand in den Gemeinderäumen der Polnischen
Katholischen
Gemeinde in der Felixstraße ein Treffen von Vertretern der polnischen
Organisationen in Berlin, von Eltern und künftigen Lehrern.
Ein Gründungskomitee des Polnischen Schulvereins "Oœwiata"
wurde gegründet.
Er bestand aus:
- Vorsitzender - Wojciech Soczowka, Verband der Polen
- Stellvertretende Vorsitzende - Elzbieta Rasinska - Polnicher
Kulturverband
- Sekretär - Barbara Krajewska - Verband der Polen
- Kassenwart - Wieslaw ¯abko - ohne Organisationszugehörigkeit
- Mitglied - Maria Szewczyk - Klub der Katholischen Intelligenz
- Mitglied - Bozena Mertens - Polnischer Kulturverband
- Mitglied - Joanna Malek - Vereinigung der Polen in Berlin
Die Satzung des wiederaufstehenden Polnischen Schulvereins schrieb
der Rechtsanwalt Stefan Baczewski, Mitglied des Verbandes der Polen
in Deutschland.
Der feierliche Schulbeginn fand am 11. Oktober 1988 statt.
Die Aufnahme des Polnischunterrichts fand ein großes Echo in den
Medien. "Zycie Warszawy" vom 20.12.1988 berichtete
über dieses große Ereignis im Leben der in Berlin-West lebenden
Polen:
"Wie immer kamen sie aus verschiedenen Bezirken Berlins,
und schon bald verschwanden sie in den Klassenräumen.
Die jüngsten Kinder sangen zusammen mit Joanna Malek ein Lied
über den Tannenbaum und wiederholten die Strophen des Gedichts
"Ich bringe euch das polnische Wort"; Barbara Krajewska und Aniela
Krzyzaniak-¯abko führten den Unterricht der polnischen Sprache
und der polnischen Geschichte mit den älteren Kindern durch.
Die Eltern, die auf ihre Kinder warteten, wurden unter der Leitung
von Liliana Pacholak in die Geheimnisse der deutschen Grammatik
eingeweiht."
Das Funktionieren der ersten polnischen Schule in der Nachkriegszeit
wurde von Fernsehteams der ARD und SFB aufgenommen und dem deutschen
Publikum gezeigt.
Am 24.02.1989 fand die erste Mitgliederversammlung des Polnischen
Schulvereins "Oœwiata".
Die Versammlung erarbeitete die Satzung des Vereins und wählte den
ersten Vorstand, bestehend aus:
- der Vorsitzende - Wieslaw ¯abko
- die stellvertretende Vorsitzende - Marianna Druzycka
- Sekretär - Wojciech Soczowka
- Kassenwart - Elzbieta Rosinska
- Vorsitzende des Pädagogischen Ausschusses - Barbara Krajewska
Im Juni 1989 wurden die Jahresabschlußzeugnisse für das Schuljahr
1988/89 an 22 Schüler vergeben.
Diese Zeugnisse waren den Zeugnissen der Vorkriegszeit ähnlich.
Mitte 1989 reichte der damalige Vorstand des Polnischen Schulvereins
"Oœwiata"
den Antrag auf Eintragung ins Vereinsregister des Amtsgerichtes
Charlottenburg ein; am 20.10.89 wurde der Verein registriert.
Die Eintragung eröffnete neue Tätigkeitsperspektiven in West-Berlin.
Die Wiederaufnahme der Tätigkeit nach einer fast fünfzigjährigen
Zwangspause
wurde durch die Anmeldung beim Vereinsregister zur Tatsache.
Dies war nur durch großes und kontinuierliches Engagement der
Mitglieder des Verbandes
der Polen in Deutschland, insbesondere von Wojciech Soczowka, möglich.
Ein besonderer Dank gehört den ersten Lehrern (-innen), die mit
großer Mühe und vielen Opfern,
ohne jegliche finanzielle Unterstützung (bis 1992), den Baustein für
den heute großen
und effektiv arbeitenden Verein schufen.
Der heutige Regierende Bürgermeister des vereinigten Berlins - Klaus
Wowereit wurde vor 15 Jahren zum stillen Helden unseres Vereins und
inzwischen einiger Generationen unserer Schulabsolventen, indem er
eine für uns so wichtige Unterschrift leistete.
Verfaßt von Wies³aw ¯abko, 2003
(Polska wersja)